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19.05.2025

AusgeSumSumSumt

Die Stimmbürger der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri sagen wuchtig Nein zum Baukredit für die Schule Sommeri.


Eine Visualisierung des Siegerprojekts «SumSumSum», das nun nicht wie geplant für 13 Millionen Franken gebaut werden kann.

Bericht: Thurgauer Zeitung, online / Manuel Nagel

In den vergangenen Jahren hat die Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri alle Abstimmungen klar gewonnen, die meisten davon sogar mit drei Viertel oder mehr Zustimmung. Dass es diesmal viel knapper werden könnte, ahnte Schul-präsident Michael Stäheli-Engel schon im Vorfeld, doch mit einer Niederlage hat er nicht gerechnet, «weil das Projekt einfach gut ist», sagt Stäheli überzeugt.

Diesmal drehte sich der Protest zum Erweiterungsneubau für die Schulanlage in Sommeri nicht nur um die Finanzen, die in gewissen politischen Kreisen immer ein Thema sind, sondern auch aus dem Dorf mit knapp 600 Einwohnern selbst gab es heftige Proteste: Der Turnverein bekämpfte das Projekt, weil es auf der grossen Spielwiese der Schule geplant war, auf der der TV Sommeri Trainings und gelegentlich auch Turniere abhält.

Bereits vor der Abstimmung zum Projektierungskredit teilte der Turnverein mit, dass er auch Schulcontainer als provisorische Lösung in Kauf nimmt. Das sei zumutbar, «da danach eine für alle nachhaltige Lösung mit Schule und Sportplatz gefunden werden kann», hiess es. Dieses Szenario könnte nun, nach dem Nein am Sonntag zum Baukredit über 13 Millionen Franken, schon bald Realität werden.

Schulpräsident Stäheli: «Stehen unter Zeitdruck»

Allein hätte der TV Sommeri die Abstimmung in der VSG jedoch nicht gewinnen können. Er profitierte möglicherweise davon, dass die Schulbehörde ihre Bauprojekte und die Schulraumplanung proaktiv in einer Broschüre vorstellte und so sichtbar machte, dass in den nächsten Jahren Projekte von rund 139 Millionen Franken auf die Schulbürgerschaft zukommen – und auch finanziert werden müssen. Das schreckte wohl den einen oder die andere auf und veranlasste sie, ein Nein in die Urne zu legen. Schulpräsident Stäheli bereut das transparente Vorgehen dennoch nicht, sagt aber auch selbstkritisch, dass man aufgrund der steigenden Schülerzahlentwicklung in Sommeri unter grossem Zeitdruck gestanden sei. Nach der Machbarkeitsstudie habe man die Meinung der Bevölkerung nicht mehr eingeholt, bedauert Stäheli.

Bei einem Ja hätte man etwa ein Jahr etwas enger zusammenrücken müssen in Sommeri, sagt Stäheli, es wäre zeitlich aber fast aufgegangen. Nun könne der dringend benötigte Schulraum nicht zeitgerecht und in der gewünschten Qualität bereitgestellt werden. «Zusätzliche Kosten für ein neues Projekt, für ein Provisorium oder für Schulbustransporte dürften insgesamt kaum zu einer Einsparung führen, zumal auch an anderen Schulstandorten keine weiteren Schulraumreserven mehr vorhanden sind», sagt Stäheli, der nun ganz grosse Herausforderungen auf die Schule Sommeri zukommen sieht. Jetzt müssten neue Lösungen gefunden werden, sagt der Schulpräsident.

IG-Sprecher Spiess: «Ein Gesamtkonzept muss her»

Von der Gegnerschaft gibt Karl Spiess (SVP) als Sprecher der IG Auskunft. «Sommeri hat ein besseres Projekt verdient», sagt der ehemalige Oberstufenschulpräsident, vor der Bildung der VSG. Spiess bemängelt die hohen Kosten fürs Siegerprojekt «SumSumSum», vor allem bei der Landschaftsarchitektur, und auch ein fehlendes Gesamtkonzept. Für Spiess muss in dieses Konzept zwingend die «Energieschleuder» alte Turnhalle integriert werden. Selbst wenn dann die Kosten noch höher wären als jetzt? «Die Turnhalle wird in absehbarer Zeit sowieso saniert werden müssen», sagt Spiess. Mit einem Gesamtkonzept könne man auch die Vereine und alle übrigen Anspruchsgruppen im Dorf ansprechen. Nur wenn diese dahinterstünden, gebe es eine mehrheitsfähige Lösung.

Doch die Uhr tickt unerbittlich, und eine allfällige Lösung wird so oder so für einige Sommerer Kinder zu spät kommen.

 

Kommentar / Aus dem Spiel wird Ernst: Treffer – versenkt!

Es mutet ein bisschen an wie das Spiel Flottenmanöver, nur dass hier keine Schiffe versenkt wurden, sondern – zumindest vorerst – ein Schulhausneubau.

Die Schulbürgerinnen und Schulbürger aus Amriswil, Hefenhofen und Sommeri lehnen mit 61,0 Prozent Nein-Stimmen den Baukredit über ziemlich genau 13 Millionen Franken für den Erweiterungsneubau der Schulanlage Sommeri ab, nachdem sie am 3. März 2024 dem Projektierungskredit noch mit 62,2 Prozent zugestimmt haben. Die Kosten des Projekts und die Voraussetzungen haben sich in diesen 14 Monaten aber nicht wesentlich verändert.

Was sich jedoch verändert hat, ist die Gegnerschaft. Waren es zu Beginn vor allem der Turnverein Sommeri, der sich gar in seiner Existenz bedroht sah, sollte der Neubau realisiert werden, so formierten sich in den letzten Monaten aus den Reihen der SVP-Ortspartei und darüber hinaus auch zahlreiche Personen zu einer Interessengemeinschaft, die sich sorgen, dass die Finanzen bei der Schule aus dem Ruder laufen.

Wahrscheinlich wollten viele der Nein-Sager dieses Projekt gar nicht verhindern, sondern sie wollten mit ihrem Nein an der Urne der Schulbehörde mitteilen, dass sie weiterhin sorgfältig mit den Finanzen umgehen soll. Quasi ein Schuss vor den Bug, denn es warten noch einige Vorhaben. In den nächsten Jahren hat die Schulbehörde für anstehende Projekte bereits weit mehr als 100 Millionen Franken eingeplant. Bei einigen Schulbürgern wird es auch ein Misstrauen gegenüber der Schulbehörde gewesen sein, dass diese die finanzielle Situation im Griff hat.

Nach dem Treffer gilt es nun die Trümmer aufzuräumen. Die IG bezahlbare Schule muss Farbe bekennen und beweisen, dass sie nicht nur schiessen kann, sondern auch bei der Findung einer mehrheitsfähigen Lösung mithilft. Diese soll laut IG kostengünstiger, jedoch qualitativ nicht schlechter sein. Das tönt gut – es wird aber eine Quadratur des Kreises sein.

Manuel Nagel, Thurgauer Zeitung