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03.11.2023

Stadt und Schule wollen Zusammenarbeit intensivieren

Anfang September haben sich der Stadtrat und die Schulbehörde zu einer ganztägigen Strategiesitzung getroffen.


Der Stadtrat und die Schulbehörde haben sich zur gemeinsamen Strategiesitzung getroffen.

"amriswil.info" / 2. November 2023 (tas)

Anfang September haben sich der Stadtrat und die Schulbehörde zu einer ganztägigen Strategiesitzung getroffen. An dieser wurde unter anderem erarbeitet, wo künftig noch mehr Synergien genutzt werden können.

Schule und Stadt arbeiten eng zusammen. Es gibt Schnittpunkte, gemeinsame Herausforderungen und es wird stets von den gleichen Bürgerinnen und Bürgern bzw. und/oder Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern gesprochen. Folglich gibt es auch Berührungspunkte und Anliegen, die nach gemeinsamen Lösungen verlangen. Um solche auch künftig möglichst unkompliziert und geradlinig erarbeiten zu können, haben sich Anfang September Schulbehörde und Stadtrat für einen gemeinsamen Strategietag getroffen. 

Eine Schule, vier Gemeinden
Die Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri und die Stadt waren schon immer in regelmässigem Austausch, unterstützen sich gegenseitig und arbeiten zusammen. Stadtpräsident Gabriel Macedo trifft sich monatlich mit Schulpräsident Michael Stäheli-Engel. Eine Strategiesitzung wie jene Anfang September, gab es so allerdings noch nie. Die Initiative zur Tagung ist aus den monatlichen Sitzungen von Macedo und Stäheli-Engel entstanden. Die gute Zusammenarbeit zwischen den leitenden Stellen soll somit auf die Behörden ausgeweitet und das gegenseitige Verständnis gestärkt werden. Während die Stadt Amriswil nur mit einer Partnerin, der VSG, zu tun hat, arbeitet diese noch mit drei weiteren Gemeinden zusammen. «Mir als Schulpräsident ist es wichtig, nicht nur mit der Stadt Amriswil, sondern auch mit den Politischen Gemeinden Sommeri, Hefenhofen und Muolen eine konstruktive Zusammenarbeit zu pflegen», so Stäheli-Engel. Im Moment passiert dies vorwiegend über Bauprojekte. Aktuell ist die VSG in Hefenhofen und Sommeri dabei, Projekte für Schulhausneubauten- oder Schulraumerweiterungen auszuarbeiten. Dies in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Gemeinderäten. In Amriswil sorgt das Neubauprojekt der Schulanlage Hemmerswil für eine wichtige und notwendige Zusammenarbeit von VSG und Stadt. 

Wer macht was? 
Eine Zusammenarbeit von Schule und Stadt ist aber nicht nur bezüglich Bauprojekten notwendig. Welche Aufgaben liegen überhaupt bei der Schule, welche bei der Stadt? Wo braucht es Umstrukturierungen? Wo können Synergien noch besser genutzt werden? «Uns ist es ein Anliegen, dass die Amriswilerinnen und Amriswiler wahrnehmen, dass auf politischer Ebene eine Zusammenarbeit besteht, und dass auch die Zuständigkeiten geprüft werden», so Macedo. Auch gilt es zu prüfen, wer welche Angebote wie die ausserschulische Betreuung, Mittagstisch, etc. finanziert. «All das geht nur, wenn wir uns regelmässig und offen austauschen», erklärt der Stadtpräsident weiter. «Und es benötigt ein gemeinsames Verständnis, wie sich die politischen Gremien bewegen und eine gemeinsame Vorstellung davon, wie die Zukunft aussehen soll», ergänzt Stäheli-Engel. Es geht also darum, dass die beiden Gremien nicht in völlig andere Richtungen ziehen. «Man muss gegenseitig wissen, wer was macht und wer wofür zuständig ist, damit man sich gemeinsam weiterentwickeln kann», so Stäheli-Engel. 

Aus Sicht der Familien handeln
Rein von der Grösse her ist die Stadt Amriswil für die VSG ein wichtiger Player. «Wir als Schule haben eine Vision erarbeitet und ausformuliert. Die Idee der Tagung war, auch eine gemeinsame Vision zu entwickeln. Dazu ist es nach einem ersten gemeinsamen Arbeitstag so noch nicht gekommen. In einem ersten Schritt wurden Handlungsfelder identifiziert und es haben sich Schnittflächen herausgestellt, bezüglich welchen man in Zukunft regelmässig im Austausch bleiben muss.  Der politische Diskurs wird zudem an vielen Punkten notwendig sein, um gute Entscheide fällen zu können», erklärt der Schulpräsident. Dazu wurde für einmal der Blickwinkel geändert. Besprochen wurde nicht, was man hat, sondern was man noch nicht hat. Man hat versucht, aus Sicht der Amriswilerinnen und Amriswiler zu schauen. «Die jungen Eltern interessiert es nämlich grundsätzlich nicht, wer zum Beispiel die familienergänzende Betreuung organisiert, wer sie finanziert, wo die Betreuungsperson angestellt ist und wie der Verteilschlüssel zwischen Stadt und VSG aussieht», so Macedo. Wichtig ist für die Eltern hingegen das Vorhandensein von verschiedenen Betreuungsangeboten. «Unsere Aufgabe ist es nun zu klären, wie das Angebot geschaffen und finanziert werden kann. Und das auf eine effiziente, schlanke und transparente Art», führt Macedo weiter aus. Der Fokus liegt dabei auf den Ansprüchen der Amriswiler Familien. Welche Angebote werden gebraucht? Welche müssen entwickelt werden? Welche können wie organisiert werden und wo?  

Keine Probleme hin- und herschieben
Welche Aufgaben haben Stadt und Schule im Gemeinwesen? Dabei geht es noch nicht einmal um die Frage, ob für gewisse Bereiche die Stadt oder die Schule zuständig ist, sondern welche Probleme als Gemeinschaft gelöst werden müssen. Und das funktioniert nur in einer konstruktiven Zusammenarbeit. Es gibt nicht Herausforderungen der Schule oder der Stadt, es gibt einfach nur gesellschaftliche Fragestellungen, die gemeinsam gelöst werden müssen. Dazu braucht es die politischen Körperschaften genauso wie allenfalls noch weitere. «Die Ukrainekrise hat gezeigt, dass die Schule, die Stadt und auch die Kirchgemeinden, miteinander ein Problem gelöst haben. In erster Linie geht es darum, dass die gesellschaftlichen Herausforderungen angegangen werden », so Stäheli-Engel. Natürlich hat auch bisher schon eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Stadt stattgefunden. Allerdings sind die Stadträte mit ihren Anliegen aus den Kommissionen eher vereinzelt auf Michael Stäheli-Engel als Schulpräsident zugekommen. Dies zum Beispiel in Bezug auf Schulwege, Labels oder die ausserschulische Betreuung. 

Gleiche Interessen, gemeinsame Lösungen
Ob auf den Auftakt nun regelmässige solche Zusammenkünfte folgen, ist noch offen. Möglich wäre zum Beispiel, diese immer nach einem Legislaturwechsel durchzuführen - also alle zwei Jahre. Informelle Treffen, um sich kennenzulernen und auszutauschen, hat es bisher schon gegeben. Natürlich entstehen auch beim gemeinsamen Essen oder beim Eisstockschiessen Gespräche, nie aber in dieser Tiefe wie jetzt bei der Sitzung. Und auch heute gibt es schon viele Schnittstellen, bei welchen sich die Zusammenarbeit vor allem in einer gemeinsamen Finanzierung zeigt. So zum Beispiel das Kinderhaus Floh, das Spielgruppenzentrum oder auch das YOYO – Angebote, welche Stadt und Schule sowie teilweise auch andere Körperschaften nach einem bestimmten Anteil mitfinanzieren. Zudem sitzen in diversen städtischen Kommissionen oder Betriebsräten Vertreter von Stadt und Schule. 

Im Interesse der Kinder und Jugendlichen
Grundsätzlich besteht immer dann eine Zusammenarbeit, wenn Kinder im Alter von 0 bis 18 betroffen sind. Dies, obschon die Schule gesetzlich lediglich für Kinder von 4 bis 16 zuständig wäre. Von 0 bis 4 wie auch von 16 bis 18 wäre die Stadt verantwortlich. «Hier zeigen sich wieder Schnittstellen, zumal auch für diese Altersgruppen die Schule über das notwendige Fachwissen und viel Erfahrung verfügt», so Macedo. Zudem hat die Schule ein Interesse daran, wie Kinder in den ersten vier Lebensjahren betreut und gefördert werden, da diese später in den Kindergarten eintreten und somit ins Zuständigkeitsfeld der Schule. «Deshalb macht es Sinn, nicht einfach harte Linien zu ziehen», sagt Stäheli-Engel. So werden in Bezug auf die «Frühe Förderung» einige Aufgaben von der Schule übernommen. Logopädie im Vorschulalter oder neu auch das selektive Obligatorium für die Sprachförderung sorgen dafür, dass Kinder mit genügend Sprachkompetenzen in den Kindergarten eintreten. 
Ein weiteres Beispiel ist die Spielgruppe: Das Spielgruppenzentrum ist kein Angebot der Schule, wird jedoch finanziell unterstützt. «Man merkt, wie wichtig der Besuch einer Spielgruppe für den Eintritt in den Kindergarten ist. Und genau bei solchen Angeboten spielt es für die Eltern keine Rolle, wer dieses Angebot finanziert. Wir suchen also gemeinsam einen Weg, um diese Angebote und dazu effiziente, schlanke Finanzierungen zu schaffen und zu erhalten», so Macedo.

Auswertung des Erarbeiteten
Die Resultate der Tagung werden nun in den Behörden ausgewertet. Danach werden Kommissionen mit konkreten Aufträgen zu den Themen bedient. Der Auftakt hat jetzt aufgezeigt, wie die Zusammenarbeit der Gremien funktionieren könnte und hat Bewusstsein dafür geschaffen, wie man Herausforderungen angeht. Künftige Themen, welche die VSG und die Schule beschäftigen werden, sind neben obengenannten auch die Schulwegsicherheit oder die Nutzung personeller Synergien.