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22.02.2024

Turnverin nimmt Provisorium in Kauf

Seit Anfang Woche zirkuliert ein Schreiben des STV Sommeri gegen den Erweiterungsbau der Schulanlage im Dorf, wie er derzeit geplant ist.


Schulareal Sommeri: Vorne rechts das historische Schulhaus an der Strasse sowie der T-förmige Neubau mit Kindergarten rechts und Turnhalle links. Dahinter liegt der grosse Rasensportplatz. Bild: Manuel Nagel

Bericht: Thurgauer Zeitung online: 22.02.2024 / Manuel Nagel

Nein, sie habe nicht gut geschlafen und kaum ein Auge zugedrückt, gesteht Gemeindepräsidentin Priska Rechsteiner und macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Sie habe am Montagabend um 21 Uhr den Flyer zugeschickt erhalten – und sei enttäuscht.

Voraus ging am Abend des 13. Februar eine öffentliche Infoveranstaltung der Schulbehörde zum «Nachtragskredit Projektierung Erweiterungsbau Schulanlage Sommeri», an der zahlreiche Schulbürger anwesend waren und sich mehrheitlich kritisch geäussert hatten (siehe TZ vom 15. Februar). Zum Schluss der Veranstaltung bat Sommeris Gemeindepräsidentin eindringlich, das Projekt zu unterstützen, hinter dem auch der Gemeinderat voller Überzeugung stehe.

Dieser sei von Beginn weg in das Projekt miteinbezogen gewesen und habe die Interessen der Gemeinde Sommeri vertreten können, und die Zusammenarbeit mit der Schulbehörde sei sehr gut, sagte Rechsteiner an jenem Abend zum Publikum, in dem auch viele Mitglieder des örtlichen Turnvereins sassen.

Turnverein: «Fühlen uns von Behörden nicht vertreten»

Doch genau jene fühlen sich und ihre Interessen vom Gemeinderat zu wenig vertreten. Schade sei es, so Roman Bärlocher, der als Sprecher des STV Sommeri fungiert, dass der Turnverein erst informiert wurde, als das Siegerprojekt schon festgestanden sei. Seither hätten sie immer wieder ihre Bedürfnisse angemeldet. Ziel des STV ist, dass die grosse Sportwiese in ihrer jetzigen Form erhalten bleibt. «Doch weder von der Gemeinde noch von der Schulbehörde haben wir ein Zeichen bekommen, dass unsere Sicht geteilt wird und eine Änderung des bestehenden Plans in Arbeit ist», sagt Bärlocher. Man sei aber nach wie vor bereit für einen konstruktiven Austausch. Dafür, dass der Austausch weiter möglich sei, brauche es jedoch den Planungskredit, um das Projekt weiterzuentwickeln, sagt die Schulbehörde.

Kommt der Flyer keine zwei Wochen vor der Abstimmung nicht zu spät? Dazu entgegnet Bärlocher, dass man zuerst aus Fairnessgründen den Infoanlass abwarten wollte, der nach Ansicht seiner Mitstreiter zu spät angesetzt worden sei. «Aber es geht uns auch darum, ein Zeichen zu setzen», sagt Bärlocher. Deshalb habe man das Schreiben erst am Montag publiziert.

Schule ist unter Zeitdruck, soll der Neubau 2026 stehen

Die Gegnerschaft des Projekts, wie es derzeit vorliegt und von einer Jury zum Sieger auserkoren wurde, spricht ausserdem von einem «ambitiösen Planungsprozess», der bei einem Nein nochmals in aller Ruhe überarbeitet werden könnte.

Doch die Zeit eilt für die Schulbehörde, wie Schulpräsident Michael Stäheli nicht nur am Infoanlass aufgezeigt hatte. Zurzeit würde es gerade noch reichen, dass der Erweiterungsbau aufs Schuljahr 2026/2027 hin eingeweiht werden könnte. Verzögert sich das Projekt, komme die Schule nicht darum herum, für die Sommerer Kinder Alternativlösungen zu suchen. Das könnten Schulcontainer in Sommeri sein – allenfalls sogar auf dem Sportplatz – oder aber die Kinder werden an einen anderen Schulstandort gefahren.

Ein Szenario, das die Gegner nicht abschreckt: «Wir nehmen in Kauf, dass es eine Übergangsphase mit provisorischen Schulräumen geben wird, und finden dies zumutbar, da danach eine für alle nachhaltige Lösung mit Schule und Sportplatz gefunden werden kann», sagt Bärlocher. Doch vorher müsse man auch eine Ausnahmebewilligung der Verlängerung der Nutzungsdauer des alten Schulhauses prüfen.

Stäheli: «Nein zum Kredit führt zurück auf Feld 1»

Ob die Verzögerung bei einem Nein wirklich Jahre dauere, sei infrage gestellt, sagt Bärlocher, «da wir ja nicht den Erweiterungsneubau an sich hinterfragen, sondern nur den Standort.»

Doch Michael Stäheli macht klar, dass zwar zurzeit das Projekt in Sommeri zuvorderst in der Pipeline sei, dass aber die folgenden grossen Bauprojekte der Schule in Hemmerswil und Hefenhofen dann nicht automatisch auch nach hinten verschoben würden. Eine Ablehnung des Kredits bedeute, dass das jetzige Projekt gestorben sei und auf Feld 1 begonnen werde.

Ebenso stellt der Schulpräsident klar: Ein Nein mit Provisorien und die Ausarbeitung eines neuen Projekts koste die Steuerzahler einiges mehr. Erst recht, wenn das alte Schulhaus weiter genutzt werde und die Anforderungen der Feuerpolizei erfüllen müsse. Doch spätestens 2027 sei auch das nicht mehr möglich.

Aber auch bei einem neuen Projekt werde das Schulareal nicht grösser, selbst wenn man den angedachten öffentlichen Freiraum aufheben würde, wie der Turnverein vorschlägt. Und Stäheli betont: «Als Schule müssen wir für optimale Bedingungen für die Kinder sorgen und nicht dafür, dass ein Verein eine optimale Trainingsinfrastruktur erhält, die ihm von der Schule zur Verfügung gestellt wird.»

 

Kommentar: Riskantes Spiel des Turnvereins

Der STV Sommeri bangt ohne Rasenplatz in der jetzigen Dimension um seine Existenz. Deswegen bekämpft er nun das Neubauprojekt der Schule, das einen grossen Teil der Rasenfläche beansprucht.

Die Haltung des Turnvereins Sommeri ist legitim. Er hat das demokratische Recht, sich gegen dieses Projekt auszusprechen, doch er wird auch die Verantwortung für die Folgen tragen müssen, sollte der Projektierungskredit am 3. März abgelehnt werden. Dann ist es unausweichlich, dass Sommerer Kinder wohl für mehrere Jahre andernorts oder in Containern beschult werden müssen, bis die notwendige Schulhauserweiterung in Sommeri gebaut ist.

Der STV will den Rasenplatz auch für die Kinder im Dorf erhalten, argumentiert dieser. Damit nimmt er in Kauf, dass Kinder ihre ganze Primarschulkarriere in einem Provisorium absolvieren und Lehrpersonen den Schulstandort verlassen, weil sie andernorts bessere Räumlichkeiten als eine Baracke vorfinden. Gute Lehrpersonen können ihre Stelle derzeit aussuchen – die Sommerer Unter- und Mittelstüfler ihren Schulstandort hingegen nicht.

Manuel Nagel