News Sekundarschule Egelmoos

24.06.2015

«Wird mir komisch vorkommen»

Nach fast 40 Jahren geht Schulleiter Berni Windler in Pension. Besonders gut behält er die Sekundarschule Egelmoos wegen ihrer positiv denkenden aber auch fordernden Lehrpersonen in Erinnerung.


Bericht Tagblatt online: 24.6.2015 / Maya Mussilier

Berni Windler, wie man ihn kennt: In all den Jahren legte der Schulleiter seinen Arbeitsweg mit dem Velo zurück. (Bild: Donato Caspari)

«Vor einem Dreivierteljahr habe ich etwas geschummelt, als man mich fragte, ob ich mich freue», sagt Berni Windler. Jetzt könne er diese Frage aber unterdessen mit einem ehrlichen Ja beantworten. Nach fast 40 Jahren im Schulhaus Egelmoos geht der Schulleiter zum Ende dieses Schuljahres in Pension. Schaut Berni Windler aber auf die Arbeiten, die es jeweils kurz vor Schuljahresbeginn zu tun gibt, dann weiss er genau: «Es wird mir dann ganz sicher komisch vorkommen.» Denn die Teamtage, die jeweils in der letzten Sommerferienwoche stattfinden, hat er ins Leben gerufen.

Es war ein Zufall

Berni Windler ist jetzt schon daran, sein Büro zu räumen. «Ich schau mir an, was für meinen Nachfolger Berni Hartmann noch von Belang ist.» In seinen Gestellen habe er aber noch vieles von früher stehen, das jetzt mit ihm zusammen das Schulleiterbüro verlasse. «Das sind beispielsweise Unterlagen, die ich benötigte, als ich noch unterrichtet habe.» Das war bis 2010 der Fall; nach der Wahl zum Schulleiter noch in einem Zwölf-Stunden-Pensum.

Blickt Berni Windler auf sein Leben zurück, so ist er zufrieden. Seine Mutter, eine gebürtige Thurgauerin, ist in jungen Jahren nach Bern ausgewandert, wo Berni Windler aufgewachsen ist. «Nach meiner Ausbildung habe ich 1976 eine Stelle gesucht», erzählt er. In Bern seien damals Vollzeitstellen an staatlichen Schulen rar gewesen. So habe er seine Suche auf die ganze Schweiz ausgeweitet und wurde im Thurgau fündig. «Dass es Amriswil war, war ein Zufall», sagt Berni Windler. An der Sekundarschule Egelmoos unterrichtete der junge Lehrer in der Folge Deutsch, Englisch, Mathematik, Geographie und Turnen.

 «Ursprünglich habe ich mir vorgestellt, dass mein Engagement im Thurgau nur eine Episode ist», sagt Berni Windler und lacht. Dann habe er aber seine Frau, die aus dem Kanton St. Gallen stammt, kennengelernt. 1982 baute die junge Familie in Amriswil ein Haus und damit war ein Wegzug überhaupt kein Thema mehr. «Seit der Geburt unseres ersten Kindes ist Amriswil meine Heimat», sagt Berni Windler. 

Zwei linke Hände

1985 hat Berni Windler im Schulhaus Egelmoos die Informatik aufgebaut. «Damals waren wir noch richtige Pioniere im Thurgau», erinnert er sich. Die Schule startete zuerst mit Mietgeräten und hat 1986 die ersten eigenen Computer angeschafft. Lebhaft erinnert sich Berni Windler an diese Zeit. «Der Grund, der mich zur Informatik geführt hat, waren meine zwei linken Hände.» 1983 habe es Bestrebungen gegeben, den Werkunterricht zu fördern. Er habe sich also selbst einen Computer angeschafft und sich in das Thema Informatik eingearbeitet, damit er nicht etwa zum Werkunterricht abberufen wurde. 

Harzig und emotional

1994 wurde Berni Windler zum ersten Mal zum Schulvorstand gewählt. «Das war der Vorläufer des Schulleiters», erklärt er. Man übernahm für drei Jahre die administrativen und organisatorischen Arbeiten, war aber kein Vorgesetzter der Lehrkräfte und nicht in die Schulentwicklung involviert. «Das war eine prägnante Zeit», erinnert sich Berni Windler. «Aus der Sek und der Real wurden zwei Oberstufenzentren, ein Vorläufer der durchlässigen Oberstufe. Das war ein sehr harziger und emotionaler Prozess.»

Weil niemand anderes bereit war, übernahm Berni Windler das Amt im 2003 ein zweites Mal. «Als ich wusste, dass bald eine Schulleitung eingeführt werden sollte, bewarb ich mich 2004 darum. Allerdings nur, wenn ich in dieser Position im Schulhaus Egelmoos bleiben konnte.» Berni Windler bekam den Job und begann 2005 gleichzeitig mit Hans-Ulrich Giger als erste Schulleiter in Amriswil. 

Ab nach Südostasien

Blickt Berni Windler auf seine Zeit im Schulhaus Egelmoos zurück, fallen ihm spontan verschiedene Bauarbeiten ein, die er hartnäckig gefordert hat. Traurig stimmen ihn nach wie vor die vier Schüler, die in diesen Jahren gestorben sind. Gut bleibt ihm die Zusammenarbeit mit positiv denkenden aber zugleich fordernden Lehrpersonen in Erinnerung. Auch auf die Erfahrungen mit den vielen hundert Schülerinnen und Schüler, die zu ihm in die Schule gegangen sind, schaut er gerne zurück.

Was seine Zukunft betrifft, lässt Berni Windler vieles einfach auf sich zukommen. Sicher macht er sich aber für dreieinhalb Wochen auf nach Südostasien, um bei einem Eisenbahntrekking dabei zu sein.